unser Leben mit einem Zwerg- und Riesenschnauzer

Herrchen

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Geknickt trafen sich Frauchen und Herrchen bei Dr. Popp.

Frauchen kam von Arbeit, Herrchen von zuhause. Freundlich wurden wir erst einmal ohne Hund herein gebeten.

Im Verlaufe der Aussprache, die von Seiten des Tierarztes extrem einfühlsam geführt wurde, keimte so etwas wie Hoffnung auf. Frauchen hatte einen Klos im Hals und war kurzzeitig nahe am Wasser gebaut. Herrchen ging es -Verzeihung- einfach nur beschissen.

Bei der Bitte, den Hund herein zu holen, waren Herrchens Beine schwer wie Blei.

Spike ging in seinem gewohnten, alterstypischen Schlenderschritt in das Behandlungszimmer. Ja, er ging allein und nicht wie sonst, wo Herrchen den 45kg Riesen tragen musste.

Ein freundliches Schnüffeln und ab ging es in die Bauchlage.

Dr. Popps Mimik zeigte etwas mehr Hoffnung. Ein kurzes Aufstehen und noch einmal Schaulaufen des Hundes und für ihn war die Sache klar: Wenn der Mensch damit leben kann, sollte der Hund es auch!

Für Frauchen, die den Riesen nicht mehr aus der Bauchlage heraus zum Aufstehen bewegen kann, wurde eine Hundetragehilfe empfohlen.

Seit Weihnachten baut der Große deutlichst ab. Sch… !!! Das Aufstehen fällt sichtlich schwer.

Der „alte Mann“ ist geistig fit, was er bei kleinen Spielen immer wieder unter Beweis stellt. Wir sind bis vor 10 Tagen mit ihm noch „Fährten gegangen“. Das Suchen ließ ihn seine Schmerzen (???) bzw. sein Handicap vergessen. So weit wie möglich an die gelegte Fährte heranfahren, einen Riesenschnauzer aus dem Auto heben (Fitness Studio kann sich Herrchen sparen!) …und Spike war voll bei der Sache. Er hat extrem schnell gelernt, dass Herrchen das Verweisen im Stand genauso toll findet, wie er es früher beim Liegen belohnte. Bevor hier jemand seinem Unmut Ausdruck verleiht: Während er früher FH2 Fährten voller Freude suchte, ist unser jetziger Bereich in der guten, alten FPR 2 bis 3 angesetzt. Aber die Freude in seiner Körpersprache ist die Gleiche!

Seit drei Tagen will ich ihm diesen Spaß nicht mehr gönnen, er hat die Kondition einfach nicht mehr dazu. Und das, obwohl er seit Anfang Dezember 2x wöchentlich eine 20-minütige Physiotherapie genießen darf.

Spike schläft sehr viel. Allerdings wechselt er selbstständig die nunmehr unzähligen gepolsterten und warmen Schlafplätze im Haus. Wie das geht, ist Herrchen ein Rätsel. Denn sind Frauchen und / oder Herrchen da, verleiht er seinem Wunsch nach einem Schlafplatzwechsel mit einem für uns gänzlich neuen Bellgeräusch Nachdruck. Dann wartet er auf den HÄNDELIFT am Hinterteil, um sich vorne aufzustemmen. Etwas wacklig sehen die ersten Sekunden des Stehversuches aus, aber beim Laufen zeigt er deutlich seinen typischen Hüftschwung.

Hat er sich einmal aufraffen lassen, Gassi zu gehen, dann ist es wie eine Wundertüte, wie weit er führt. (Ja, mein Hund redet mit mir …oder besser er nimmt die Leine ins Maul und steht mit gesenktem Kopf so lange an Ort und Stelle, bis sein Leinenhalter in die von ihm gewünschte Richtung marschiert. Meistens geht es nach dem Stuhlgang direkt vor den Ofen.

Voller Bangen sehen wir heute immer wieder auf die Uhr. 18:00 Uhr sind wir beim Tierarzt unseres Vertrauens.
… kommen wir mit dem tollsten Riesenschnauzer den man sich wünschen kann lebend zurück?

Ein alter Hund, das ist die Wundertüte schlechthin. Du siehst Deinen Hund, der plötzlich -extrem verlangsamt und unter Vermeidung jeder unnötigen Anstrengung- dein Partner sein will, aber nicht mehr kann.

Seit ungefähr 3 Wochen ist Spike bemüht, Herrchens Nähe nicht zu verlieren, aber trotzdem kraft- und schmerzsparend- alles Überflüssige zu vermeiden. Gasi geht er nur noch, wenn es sein muss. Er schmust, wie immer und sucht den Kontakt. Immer mehr legt er sich hin, um nicht stehen zu müssen. Die Treppen zu Herrchens Schlafzimmer erklimmt er nicht mehr, sondern begnügt sich mit dem Hundekörbchen im Erdgeschoss.

Der Tierarzt hat Hodenkrebs diagnostiziert, weitere Probleme aber ausschließen können. Haben wir anfangs den Leistungsschwund auf die hohen Temperaturen zu dieser Jahreszeit zurückgeführt, so sind Frauchen und Herrchen jetzt extrem besorgt, dass Spike am Ende seines Lebensfadens angekommen ist. Großer, wir brauchen Dich!

 

Die Schnauzerjungen werden alte Männer! Frauchen bezieht Herrchen in diese Aussage mit ein, das ist aber nur dem schlechten Licht geschuldet!

Spike scheint den Krallenkrebs überstanden zu haben. Eine weitere Nachuntersuchung im September hat keinerlei Anzeichen für weitere unangenehme Überraschungen ergeben.

Dafür hat es Benny erwischt. Der kleine Recke wurde entmannt, nachdem man am rechten Hoden einen Tumor entdeckt hatte. Somit hat sich die Zusammensetzung unseres Rudels zuungunsten der Männlichkeit verschoben.

Natürlich gehen wir (also überwiegend die Männer) nach wie vor in die Fährte. Seitdem wir keinen Druck mehr auf Benny und unsere Prüfungshoffnungen ausüben, scheint der Kleine auch Freude daran zu haben.

Der Riese hat dahingegen richtigen Spaß und ist mit Feuereifer dabei.

Hier wartet Spike, gut getarnt, auf Benny’s Einsatzbefehl zum Verjagen des Postbotens.

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