unser Leben mit einem Zwerg- und Riesenschnauzer

Schnauzertagebuch 2012

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… und das ist wörtlich gemeint!

In ihrem immerwährenden Drang nach neuen Aktionen für Herrchen, wie dieser Spike noch besser auslasten, bespielen und trainieren kann (wer hat denn hier im Rudel den FH2-Hund?) hat Frauchen eine neue Foltermethode gefunden! Zughundesport ist das aktuelle Zauberwort. Wenn Ihnen also in Kürze mitten in der Dresdner Innenstadt ein Musher mit einem abgekämpften Riesenschnauzer begegnet, dann bin ich das!
Ich stelle mir das bildlich so vor: Bei 20 Grad über Null hetzt ein Riesenschnauzer mit heraushängeunder Zunge vor einem kufenlosen Schlitten her, auf dem Herrchen in Fellmütze und dicken Fausthandschuhen „Straight ahead“ & „Go“ brüllt. Immer in der Hoffnung, daß abseits des Weges keine läufige Hündin Spike auf abwegige Gedanken bringt.

Doch der Reihe nach. Vor ungefähr einem halben Jahr lief im Fernsehen eine gut gemachte Dokumentation über Zughundesport.
Das ist in etwa das Gleiche, wie Nordic Walking: Menschen, denen man die Ski geklaut hat, laufen Stöcke schwingend durch die Parkanlagen der Stadt auf der Suche nach Schnee… im Hochsommer.
Hundezugsport ist Schlittenhunderennen; ebenfalls ohne Schnee und ohne Schlitten.

Damit Herrchen auch ja keinen Rückzieher machen kann, hat Frauchen Spike und Herrchen gleich für einen Ganztageskurs im Januar in Tambarz Dietharz angemeldet.

Der Kontakt klingt wirklich vielversprechend! Aber warum hat Frauchen im Vorfeld bei Ihren Eltern nachgefragt, ob diese Benny für ein bis zwei Tage übernehmen könnten? Sollen etwa wieder nur wir „ganzen Kerle“ arbeiten und der Zwerg bekommt eine Extra-Streicheleinheit?

Wie gesagt: Frauchen dreht am Rad!
Meine Ziele für 2013 waren die IPO FH mit Spike, der beim Fährten offensichtlich einen Mordsspaß hat. Jetzt darf ich wahrscheinlich mit einem Hundeschlitten auf Rädern in die Fährte fahren?

Allerdings hat das Ganze auch einen Vorteil: Sollte ich 2013 dazu kommen, mit Spike zu pilgern, wie ich es dieses Jahr eigentlich geplant hatte, kann der Riese sein Futter allein über den Jakobsweg ziehen … und mich vielleicht noch dazu?!

Benny, unser kleiner Sorgenschnauzer, hat seine Kackeritis überstanden. Der kleine Kämpe hat den Viren getrotzt und ist wieder oben auf!

Frauchen hatte letztes Wochenende von langer Hand eine Reise zu unserem Sohn in Wilhelmshaven geplant. Wie mit den Schnauzern verfahren? Ursprünglich war meine Idee, wir nehmen die Jungen mit auf große Fahrt. Nach weiblicher Rechenkunst und femeniner Logik, entschied Frauchen kurzerhand, dass wir bei unserem Sohn und nicht in der Pension nächtigen.
Die Satans Meute Herren hatten sich im Vorfeld schon bereit erklärt, den Großen in Obhut zu nehmen.

„Armes Haustier“: In den kältesten Nächten des Jahres musstest Du im Zwinger schlafen. Nichts gegen die Züchter, sie unternahmen Alles, um ihrem groß gewordenen Welpen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen!

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Sonnabend, wir stehen -auf Frauchens Wunsch hin- mitten in der Nacht auf, um mit den Schnauzern Gassi zu gehen.
Bei der Heimkehr stellen wir fest: Hier stinkt irgend etwas ganz gewaltig! Ich schwöre, ich war es nicht!
Eine intensive Nasenarbeit -für Menschen schon ungewöhnlich- ergab, Ober- und Erdgeschoss sind gefüllt mit Stoffwechselendprodukten und dem Produkt der rückwärtigen Peristaltik. Es roch, wie kurz nach der Verwesung. Das Büro hatte im Bodenbereich überwiegend die braune Farbe angenommen, Treppe und Vorsaal sind gespickt mit glasig Erbrochenem.
Benny geht es – gelinde gesagt- Scheiße.
Der kleine Recke ist momentan nur ein Schatten seiner selbst. Er sucht die Ruhe, verkriecht sich in den stillsten und sichersten Ecken des Hauses und meidet jede überflüssige Bewegung.
Wir gehen momentan von einer Infektion aus und sehen uns seinen K(r)ampf kontrolliert-gelassen an, um notfalls sofort eingreifen zu können.

Wieder einmal hat Frauchen eine geniale Idee. Wenn sie es schaffen sollte, ihre Arbeit rechtzeitig zu beenden (jawohl, Frauchen geht auch schon mal sonntags in aller Hergottsfrühe in ihre Firma), dann könnten wir doch schnell noch eine Fährte für die Schnauzer legen.

Gesagt, getan. Wir „ganzen Kerle“ bewachten das Haus, kümmerten uns um Augenpflege und inneres Gleichgewicht (ausschlafen ist auch für Schnauzer herrlich), während Frauchen ihren Steuerkrimskrams erledigt. Manchmal ist das Leben eben doch gerecht!

Aber schon gegen 10:00 Uhr war die Ruhe dahin. Frauchens Ordnungssinn ist manchmal anstrengend – für uns!

Im Fährtengelände angekommen wurden zwei Fremdfährten für die Super-Spür-Schnauzer gelegt. Unser Sohn und seine Freundin waren so nett, als völlig unbedarfte Fährtenleger zu fungieren. Sie machten mit Sicherheit alle Fehler, die man dabei machen kann und trotzdem war es genau das, was wir brauchten: Eine einfache Duftspur, die nicht hundgerecht gelegt wurde. Dafür noch einmal Danke an die beiden Nachwuchsfährtenleger.

Spike  suchte auf der Spur des Sohnemannes, dass es eine Freude war, hinter dem Riesen in 10m Entfernung herzulaufen. Trotz (gewünschter) Kreuzung der eigenen Spur hatte der Riese auf dem Acker keinerlei Probleme. Herrchen in heaven – Spike glücklich!

 

Bennys Fährte lag auf einer Wiese. Sandra wollte er nicht wirklich suchen. Nach ca. 30 Schritten gab der Zwerg entnervt auf. Hinken, schnüffeln und Frauchen mit einem erstklassigen Bei-Fuß-Sitz beeindruckend, zeigte der kleine Schnauzer deutlich: Ihr könnt mich mal!

 

Frauchen war kurz davor, ihrem über alles geliebten Zwergschnauzer, die Freundschaft und damit die Verpflegung zu entziehen. Benny stand kurz vor dem Debakel seines Lebens!

 

Ritter „Björn der Aufrechte“ wusste, was „alte Schule“ bedeutet. Kurz entschlossen legte das liebe, gute, fleißige, selbstlose  und herzensgute Herrchen auf dem Feld eine zweite Fährte für Benny. Viele Winkel, mäßig Futter, kaum Gegenstände und ca. 1500 Schritte.

Während der Liegezeit musste Spike die Benny-Gegenstände auflesen. Die Fährte war wirklich saumäßig gelegt (das ist keine Kritik, das wollten wir so, um zu sehen, wie weit die Jungs sind – sonst hätten wir Profis gebeten und keine Erstfährtenleger mit einer 2-Minuten-Einweisung). Spike kreiselte mehrfach, kämpfte sich aber auch in seiner 2. Fährte wunderbar ans Ziel.

Bennys zweiter Anlauf wurde getrübt von Herrchens Unruhe – hatte ich mein Handy mit oder lag es zu Hause? War da vorhin beim Fährtenlegen nicht so ein komisches Gefühl, als ob sich irgend etwas vom Gürtel gelöst hat? Bilde ich mir das nur ein? Wo ist mein Handy?

Frauchen, mit unglaublicher Ruhe, ging erneut hinter ihrem Zwergschnauzer in die Fährte. Hatte sie aufgegeben? Ahnte sie, was gleich geschehen sollte?

Benny musste nur aufpassen, dass er mit der kleinen Schnauze keine Furche in den Acker zieht. Bis auf einen Winkel suchte er quasi auf Schienen. Frauchen musste ihm bei dem einen oder anderen Gegenstand zwar sagen, dass er sich hinzulegen hat, aber wer legt sich schon gern bei gefühlten Minus 10 Grad auf den feuchtkalten Boden? Leider hatte Herrchen kein Handy dabei, sonst wäre Bennys „Knie-Liege-Verweisen“ das Foto des Jahres! Kurz vor dem Ende einer wirklich sehr gut gelaufenen  Fährte, legt sich der kleine Kerl auf einmal hin. Hallo, hier war nun wirklich kein Gegenstand mehr! Der Jackpot kommt in ungefähr 20 Schritten!

Der kleine Mantrailer hat doch tatsächlich Herrchens verlorenes Handy verwiesen! Frauchens triumphaler Blick, als sie das IPhome wie jeden gewöhnlichen Gegenstand empor hält, war allein schon den ganzen Sonntagsstress wert!

Total unterkühlt, aber unendlich glücklich, ließen wir den Sonntag geruhsam ausklingen. Spike mit seinen zwei Fährten war erst am Abend wieder ansprechbar. Benny, der „Ich finde Dein Handy Hund“ war Herrchens ganzer Liebling. Frauchen konnte sich mit der im zweiten Anlauf gezeigten Leistung völlig entspannt zurück lehnen. Ihr Hund hatte Herrchens -selbstverlorenes- Handy gefunden! Benny hier, Benny dort  … Wasser auf Frauchens geschundene Mühlen!

Wenn es Keiner weitersagt: „Auch wenn Du Frauchen an der Nase herum führst: Danke KLEINER! Ohne Dich wäre ich wirklich aufgeschmissen gewesen!“ Spike hat 2x spitzenmäßig gesucht – aber Du – kleiner Mann- hast mir einen Haufen Ärger erspart!

100 Punkte für den Zwegschnauzer und ein riesen Dankeschön an Frauchen- seine Hundeführerin-, die dem besten Suchhund der Welt beibrachte, wie man Herrchens Telefon auf einem unendlich großen Acker wieder findet!

 

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