unser Leben mit einem Zwerg- und Riesenschnauzer

08 – August 2010

Abreisetag, man, da will jeder die Heimreise antreten. Ca. 400 Kilometer mit Frau und zwei Hunden, das ist kein Pappenstiel. Mit unseren Gedanken bereits auf der Autobahn, gehen wir zum letzten Schutztraining.

Spike handle ich kurz ab, Andreas hat sein Versprechen gehalten und Spike bestärkt. Mit erhobenem Haupt gingen wir beide vom Platz. Zwei Hunde nach uns, das ist Benny! Schafft es der kleine Held, Ingo erneut Paroli zu bieten, oder kann dieser mit seinem enormen Potential unseren Zwerg überzeugen.

Ingo wähnt sich clever – mit einem Futterkissen bewaffnet will er Benny umstimmen. Futter, dass ich nicht lache! Benny frisst nur, wenn er wirklich Hunger hat (oder Hundeschokolade). Armer Ingo, hier wirst Du keine Chance haben!

Doch wie gut Ingo ist, das sollte man nie unterschätzen!

Statt Futter in das Kissen zu füllen, steckt er vor Bennys Augen dessen Quietschmonster hinein. Armes kleines Haustier! Im Angesicht des Verlustes seines heißgeliebten Gummitieres, schmelzen alle Prinzipien dahin. Erst zögernd, dann immer aktiver ging Benny auf das Quietschfutterkissen. Als er es zu guter Letzt auch noch stolz vom Platz trägt, weiß jeder – Ingo hat die Herausforderung mit Bravour gemeistert!
Der Applaus galt -völlig zurecht und wohlverdient- einem erfahrenen Hundetrainer, der sich nicht „zu fein“ war, einen Schoßhund mit den Mitteln eines Gebrauchshundes zu trainieren!

Unser Fazit: Die Woche war, trotz ihrer vorrangigen Ausrichtung auf den Schutzdienst, für unsere beiden Schnauzer und uns Hundehalter ein voller Erfolg.

Wir danken allen Organisatoren, Helfern und helfenden Hundesportlern von ganzem Herzen für die wirklich tollen Tage in Delmenhorst und kommen gern im nächsten Jahr wieder
-so man uns mit unserem Wohnmobil überhaupt wieder auf den Platz lässt 😉 .

Danke speziell an:

  • Tina und Ingo
  • Heike und Willi
  • ANDREAS (soll ich von Spike aus so groß schreiben)
  • Wiebke
  • Angelika und Heiko (für den informativen Abend )

Jeweils das Standardprogramm, Fährten für Benny und doppeltes Schutztraining für Spike, dazu Unterordnung.

Benny entwickelt sich zu einer „never-ending-story“. Beim Schutzdienst -darf man das bei einem so kleinen und lieben Hund überhaupt so nennen?- verweigert er stur wie ein Maulesel das Beißwürstchen. Vom Widerstand des Kleinen angespornt, bemüht sich Ingo mehr, als er müsste.
Freitag: an denEnden eines Strickes befinden Bennys Quietschmonster und die Beißwurst. Abwechselnd werden ihm diese als Beute angeboten. Benny unterscheidet genau, wann es sich lohnt, einen Angriff auf die Beute zu starten. Stolz trägt er sein quietschendes Untier vom Platz! 
Sonnabend: Das Quietschtier wird (mit Zustimmung) zerstört und ans Ende der Beißwurst montiert. Dieser geniale Einfall von Ingo lässt Benny auf beide (kombinierten) Teile abfahren. Im sicheren Gefühl des Sieges überlässt Ingo nach einiger Zeit Benny das Quietsch-Wurst-Konstrukt. Zur  allgemeinen Heiterkeit, fällt die Beißwurst ab und Benny trägt erneut -stolz wie ein Schnauzer sein kann- sein Quietschmonster erhobenen Hauptes vom Platz. Szenenapplaus klingt von den Zuschauerplätzen auf, die eindeutig dem Zwerg mit dem großen Selbstvertrauen gelten. Ingo nimmt es sportlich und kann herzhaft über unseren kleinen Hundemann lachen.

Spike hingegen hat ein schwereres Los mit Andreas gezogen. Dieser wechselt das leicht zu greifende Kissen des Vortages gegen ein für den Hund schwerer zu haltendes. Und jetzt hat Spike richtig Probleme! Der Anbiss sieht für mich Laien super aus, ist aber viel zu leicht. Schwupps, und schon hatte mein großer Schutzhund die Beute mal. Als Detlef Döring auch noch fordert, dem Hund wird nichts geschenkt, ist Spike chancenlos. Andreas ist so schnell und schon wieder ist der Anbiss nicht sauber- ich könnte heulen! Als Spike auf den Rücken fällt, reagiert Andreas gekonnt und lässt ihn -scheinbar erarbeitet- sofort seine Beute greifen! Ab jetzt scheint der Griff besser zu sitzen -oder spielt Andreas mit Spikes Stolz? 
In der „Nachbesprechung“ legt er fest, dass Spike am Sonntag noch einmal das „leichte“ Kissen bekommt, um mit einem Erfolg und Hochgefühl nach Hause zu fahren.
Wie wertet man einen Helfer –ausdrücklich hier ALLEN HELFERN ein Kompliment und meinen Respekt-, der sich bei diesem Pensum an Hunden und physischer Belastung die Zeit nimmt, auf die einzelne, kleine Hundeseele einzugehen? Das war ganz große Hundeausbildung!

Auch in der Unterordnung mit Heike und Willi machen wir Fortschritte. Videoauswertung und individuelles Training fördern die Teambildung immer mehr. Das, was Ingo in Dresden auf seine wundervolle Art angestoßen und geweckt hat, wird hier weiter gefördert. Danke an ALLE!

Wie jetzt? Wir fahren quer durch Deutschland, um mit Martina und Ingo zu trainieren, und jetzt erfahren wir, dass wir mit „irgendeiner Heike“ und „irgendeinem Wilhelm“ üben sollen?! Gestern haben wir uns als Deppen der Nation präsentiert und heute so etwas! Wer ist das, was können die, wie gut sind die?

Eine Dame, die mir in ihrer Art gestern schon auffiel, wird uns als Ausbilderin vorgestellt. Nach einer kurzen Phase des „Beschnupperns“ wird klar, Heike weiß was sie will und wie sie es rüberbringen muss. Binnen weniger Minuten steht fest, „mit ihr werde ich warm!“ und kann sehr viel für meine Hunde lernen. Ihre Rhetorik ist bestechend, ihre Fragestellung führt einen Anfänger direkt zum Kern der Probleme. In der Einstimmungsrunde benenne ich kurzerhand mein tatsächliches Hauptproblem – Spielen mit Spike. Immer wieder höre ich: „Du spielst nicht richtig mit deinem Hund!“
Wenn die Dame so gut ist, wie ich hörte, dann kann sie mir hier sicherlich helfen! Und wie sie mir, in Zusammenarbeit mit Wiebke, einer Gruppenteilnehmerin, half. Hätte ich vorher gewusst, wie sehr ich vor Spike „die Hosen runterlassen muss“, ich hätte als Schwerpunkt Gruppenkuscheln gewählt! Fakt ist, meine anfängliche Hoffnung:“Wenn ich am Sonntag sagen kann, ich weiß wie man mit einem Hund richtig spielt, wäre ich glücklich!“ wurde mehr als bestätigt. Die Zeit war zu kurz, um das Spielen zu festigen, aber die Basis wurde 100-%-ig gelegt. Heike, wenn Du dass hier liest:“ Ich hab’s begriffen“ und übe zu Hause mit meinem „Pampers-Rocker“!

Alles in Allem kann ich zu Heike und Willi nur sagen, für mich war es unter diesen Bedingungen optimal, von und mit ihnen zu lernen und wir würden von Dresden nach Cuxhaven fahren, um bei diesen Ausbildern zu lernen. 

Frauchens Intension der Fährtenarbeit mit dem Bonsai-Schnauzer wurden hier ebenso trefflich bedient, wie mein Problem des sich „gehen lassens“.

War Frauchen nach dem „Motte„- Fährten-Einsatz schon begeistert, so fand sie hier dazu wieder eine absolute Fährtenspezialistin, die ihr Wissen nicht für sich behielt.

Im Schutzdienst kam der gestern schon angesprochene „Helfer“ Andreas erneut zum Zuge. Mit unwahrscheinlich viel Sachverstand und der deutlich zu spürenden Lust an der Ausbildung baute er Spike Stück für Stück auf.
Vormittagseinsatz zum Beschnuppern und Bestätigen nach der Pleite des Vorabends und ein Nachmittagstraining mit dem Ziel, Spike die Freude am Schutzeinsatz zu vermitteln.
Andreas schenkt Spike nichts, lässt ihn aber gewinnen. Mir erklärt er nebenbei noch die Grundlagen -und schon rennt er wie ein Sprinter vor Spike hin und her und lässt ihm gerade so die Chance, das Kissen zu greifen. Wo nimmt der Mann nur seine Kondition her? Ich war nach maximal zehn Minuten „physisch scheintot“, Andreas steht trotz der Doppelt- oder Dreifachbelastung lächelnd und ruhig zur Auswertung bereit. Ist er vielleicht Fahrradkurier mit der täglichen Strecke Mainz – Dresden, oder werde ich richtig alt? (DAZU BITTE KEINE KOMMENTARE !)

Frauchen und Benny wurden direkt von Ingo in den Schutzdienst eingewiesen. Ingo -im Schutzanzug vor unserem ach so gefährlichen Zwerg knieend- knüpfte an den ersten Dresdner Schutzstunden vom Mai an. Ihm haben wir es damit Großteils zu verdanken, dass Benny sich überhaupt von Fremden anfassen lässt.
Hier traf Ingo jedoch auf einen sturen Zwergschnauzer. Nur Bennys quietschendes Lieblingsspielzeug animierte ihn zu Aktionen.  Seine Weigerung die Beißwurst oder eine hundesportliche Alternative zu benutzen wurde zum „running-gag“ der Trainingswoche.
Einer der -für mich- ganz Großen des Hundesports, ließ sich tatsächlich von unserem  „Westentaschenhund“ herausfordern. Heute -sorry Ingo- ging es 1:0 für den Kleinen aus.

Ob in der Fährtenarbeit (Benny), im Schutzdienst (Spike & Andreas; Benny & Ingo) oder der Unterordnung (beide Schnauzer) – der erste Tag war voller neuer Eindrücke und für unser Level bestens personell untersetzt!

Um es kurz zu machen, wir könnten mit unserer Wohnmobilnummer jederzeit im Zirkus Sarrasani (für Dresdner der Inbegriff eines höchstklassigen Zirkusses) auftreten. Die Fahrt -ca. 500 km- verlief problemlos und unser „Großer“ begriff sehr schnell, dass er nach einem kurzen Sprung auf Herrchens Bett wahnsinnig viel Platz hat. Danke für die Sandkörner und Grasbatzen in meinem Bett!

Unsere Ankunft gegen 19:00 Uhr war leicht chaotisch, suchten wir doch den besten Platz für Hund und Mensch. Nach einem kurzen Rangierchaos, beginnend beim -wie sich nachher herausstellen sollte- „richtigén“ Stellplatz, über den optimalen Platz –leider für Ausbilder reserviert– ging es über die Station freundliche Audiparkerin umrangieren (ohne Strom, da unser Kabel zu kurz war) zum Endstellplatz mit Nachmittagsschatten. Somit waren wir schon bekannt, noch bevor wir uns bekannt gemacht hatten. Danke Frauchen für den erstklassigen Einstand!

Fertig, wie wir waren, nahmen wir die Herausforderung „Schutzdienst“ an. Was sollte schon passieren, beide Hunde hatten sich die siebenstündige Fahrzeit teilweise im Land der Träume aufgehalten. So ausgeruht muss Schutzdienst eine willkommene Abwechslung sein!

Ein freundlicher  – und wie sich später herausstellen sollte sehr engagierter und kompetenter – Helfer namens Andreas nahm sich unserer an. Auf dem Platz bemerkte Spike für sich:“Ach ist der Rasen schön grün! Ach ist der Rasen … Lass den Mann doch mit dem Kissen wedeln, ich hatte ein viel schöneres, mit Blümchen drauf und sooo weich!“
Alle Versuche des sehr erfahrenen Mainzers scheiterten an der Ignoranz eines desinteressierten Riesenschnauzers und eines „in den Seilen hängenden“ Hundeführers.  Getreu des Mottos: „Schön aber doof“ standen wir wie die begossenen P… (ich will keine leistungsbereitere Rasse beleidigen) auf dem Platz.

Unser Einstand am ersten Abend war das klassische Debakel.

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