unser Leben mit einem Zwerg- und Riesenschnauzer

05 – Mai 2011

Die Schmerzen sind bösartig. Husten, Lachen und rechtslastige Bewegungen tun mörderisch weh. Also geht es nunmehr vorrangig um meine Genesung. Nach Frauchens Meinung geht das so:

06:30 Uhr eine ausgiebige Runde in der freien Natur. Die Wahl des Ortes hat sie großzügig mir überlassen. Ein Fährtenacker im Süden Dresdens erschien mir dafür geeignet. Nach gut 15 Minuten Feldmarsch befanden wir uns in einer Idylle. Wiese, naturbelassen mit einem Duft aus Kindertagen. Die Hunde fanden das zufällig gefundene urwüchsige Areal toll – mein Rippenbogen bei jedem Atemzug und Schritt auch!

Gegen 11:00 Uhr besuchten wir die in Coswig stattfindende CACIB-Europaschau – Elberegioncupsieger 2011. Toller Name für eine so kleine Ausstellung. CACIB klingt seriös. Was wir hier sahen, hat unsere Meinung über „Nicht-VdH-Veranstaltungen“ nicht wirklich verbessert. Die Arbeit der Organisatoren und Richter können wir nicht einschätzen, aber auf uns wirkte die Veranstaltung ernüchternd. Hätten wir unsere Schnauzer hier ausgestellt, hätten wir zum Preis von 12,- € einen tollen Pokal mit nach Hause nehmen können und anschließend mangels Konkurrenz wahrscheinlich mit dem Titel EUROPASIEGER hausieren gehen können. Werden die Titel hier wirklich derart inflationär gehandelt, dass es für Laien nicht mehr durchschaubar ist, welches Label was bedeutet? Mir drängte sich der Vergleich zu diversen Ökosiegeln auf.

Die Zielsetzung des ausrichtenden Nicht-VdH-Vereines klingt löblich und aller Ehren wert! In sich ist es doch ein Paradoxon:

„Es zählt der Hund,

nicht das Papier!“

Doch geht es um genau dieses hier!

Als stammbaumloser Zwergschnauzerhundeführer stellen wir für uns fest: Das deckt sich nicht mit unserer Ansicht von Titeln und Schaubewertungen.

DER RECHTE LUNGENFLÜGEL hat sich zwischenzeitlich verabschiedet und sticht gotterbärmlich!

Es ist 17:30 Uhr, wir treffen uns mit Motte auf der „Hasenwiese“ zum Fährtentraining. Schon die Anfahrt dahin ist für mich eine Tortur. Das Fährten in unserem „Drei-Hunde-Trainingsclub“ ist wie immer toll. Bei der reinen Nasenarbeit haben die Schnauzer keine Probleme. Frauchen feilt an Bennys Problem, dass er die Gegenstände nicht sauber anzeigt. Irgendwie hat man bei ihm den Eindruck, suchen macht Spaß …aber das Hinlegen auf Stoppelacker ist nicht wirklich seine große Freude.

Spike fährtet freudig wie ein angehender Mantrailer, so lange er in geraden Linien suchen kann. Bei dem Schenkel mit der Fährte außerhalb von Furchen und Rinnen kommt er in leichte Schwierigkeiten, die er aber nach kurzer Irritation super bewerkstelligt.

Motte, die Erfahrenste von allen, hatte das Handicap, dass ich an ihrer Leine hing, ohne die Fährte zu kennen. Dafür, dass die Dackeldame mich im Schlepptau über den Acker hieven musste, war sie ganz schön fix. Das sie toll sucht, muss hier nicht weiter betont werden.

Ich bin kurz davor auseinander zu brechen. Die Schmerzen ziehen nunmehr über den kompletten rechten Oberkörper.

Verheiratete Frauen wissen, wenn Männer krank sind, dann leiden sie richtig. Erfahrene Frauen aber wissen, wenn Männer nicht mehr klagen, dann ist es wirklich ernst. Ich habe nicht einmal mehr „Piep!“ gesagt, als wir allein im Auto waren!

Kommt die Reha nicht eigentlich erst nach der Genesung? Danke für den ruhigen Sonntag zum Entspannen!

… folgen Schmerzen, Pein und Qual.

Sonnabend, Hundesport mit Sven als Helfer. War es zu warm, war Spike nicht gut drauf, war ich zu wenig konsequent? Diesen Schutzdienst kann man unter: „geht so!“ abhaken. Benny traf sich mit Motte, zum gemeinsamen Fährtenspaziergang (Spike durfte nicht, er ist nunmehr Donnerstag die bereits erwähnten Fährten gelaufen und hat am Freitag die dritte von Uwe geplante Fährte erfolgreich bewältigt). Einmal muss „der Junge“ eine Pause haben.

Abends droht Frauchen mit der obligatorischen Sonntags-Tour-de-France.

Um allen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, gebe ich nach und sage zu. FEHLER!!!

So gegen 6:30 Uhr fahren Spike und ich los. Tiergartenstraße, wir warten auf die Nachzügler. Als Benny mit Frauchen im Schlepptau auftaucht, wollen wir langsam anrollen.
Langsam kennt aber Spike nur, wenn er lange genug gerannt ist. FEHLER!

Im einhändigen Leinesortieren auf dem fahrenden Rad, sehe ich auf der anderen Straßenseite einen Hundeführer mit zwei kleinen Hunden. Spike sieht sie auch. Um dem stehen bleibenden Riesenschnauzer nicht in den Allerwertesten zu fahren, bremse ich leicht ab. Rechte Hand an der Leine, linke Hand an der Handbremse … Vorderrad. FEHLER!! In diesem Moment hört Spike auf mein Kommando „Ab geht es!“. Der guter Hund hört auf Herrchen!

Physik Klasse 5 – Trägheitsgesetz! Ein angebremstes Vorderrad, ein vor dem Schwerpunkt sitzendes Herrchen und ein weit oben ziehender Riesenschnauzer. Die Summe davon nennt man Salto!
Bisher ging ich davon aus, das „Absteigen über den Lenker“ sei eine umgangssprachliche Redewendung. Irrtum! Ich ging direkt und ohne Umwege über den Lenker zu Boden … stuntmäßig.

Diagnose des Arztes: Im Team haben wir eine erstklassige Rippenprellung hin bekommen! Jeder Atemzug schmerzt, jeder Zug am rechten Arm ist ein Messerstich, jede Positionsänderung ist ein Branding mit der Aufschrift: „Hochmut kommt vor den Fall!“

Das Positive an der Geschichte ist: Frauchen sorgt sich liebevoll um Herrchen, gibt mir frei (bis auf  stundenlanges Gassigehen und Klickertraining). Die Gute hat eben ein Gespür für Prioritäten.

Den Spruch: „Man kann auch ohne Schnauzer leben, es lohnt sich nur nicht.“ muss ich wirklich noch einmal genau durchdenken. War das wirklich so gemeint?

Aus hier nicht näher zu benennenden Gründen- trafen Einstein (Spike) und ich per Wohnmobil bei seiner Züchterin und ihrem Mann ein. Die Atmosphäre war herzlich und wir beiden „Großen“  fühlten uns super aufgehoben.

Wer auch immer an diesem Nachmittag auf die Idee kam, gemeinsam mit Uwe fährten zu gehen, ich kann es nicht sagen. Uwe Hörig, der seit Jahrzehnten an der Hundeschule der Polizei Hundeführer und deren Hunde ausbildete, nahm sich einen Abend theoretisch und einen Morgen praktisch unseres Rumpfrudels an.

Seine Art ist einmalig! Fragen, Fragen und noch einmal Fragen. So lange, bis der Schüler -dieser war ich im Moment und ich habe es genossen- selbst auf den richtigen Lösungsansatz stößt. Fazit: Alles hinterfragen, alles logisch durchdenken – es ist mein Hund, für den ich Verantwortung trage und den richtigen Weg finden muss.

Das Problem eines (Fährten-)Anfängers ist, dass er von zehn Leuten mindestens 11 Meinungen bekommt. Hier bekam ich einen Anstoß, durch logisches Denken selbst mit Spike weiter zu kommen. Fährtenlegen, Hund vorbereiten, Fährtenansatz, Legen von Gegenständen, Winkel legen, Leinenführung, … alles kam mehr oder weniger auf den Prüfstand.

Seine scherzhafte Ankündigung, sich vor Lachen ins Gras zu werfen, wenn ich mich zu unbeholfen anstellen würde, machte er wohl nur deshalb nicht wahr, weil Spike -einer seiner mit großgezogenen Welpen- seine Sache um mindestens 100% besser machte, als ich!

Ich war-völlig grundlos- aufgeregt, wie ein E-Jugend-Spieler, der mit einem Bundesligisten trainieren darf

Beispiel gefällig?

Spike war in der Fährte, überlief einen Gegenstand, den ich nicht sah. ICH war raus! Spike schnüffelte nur noch rum -nach meiner Meinung- und ich hielt ihn fest. Eigentlich kein großer Fehler, wäre Spike nicht schon lange wieder in der richtigen Spur gewesen.

Winkel überläuft Spike. Muss er auch, wenn ich beim „Reinsuchen“ direkt darauf stehe! Das er es trotz eines störenden und blinden Hundeführers schafft, zeigt eigentlich nur, welch enormen Spaß mein „Mäuschen“ hat (bei diesem Kosewort hätte sich Uwe beinah verschluckt vor Lachen) .

Uwe, wenn Du das hier lesen solltest, ich schulde Dir noch meinen Wetteinsatz!

Als ich mich nach meiner Blamage an Gabis frisch gedecktem Frühstückstisch niedergelassen hatte, waren die Satans-Meutisten taktvoll genug, kein weiteres Salz in meine Wunde zu streuen! Statt Kritik gab es ein Fachbuch mit auf die Reise.

Wir dürfen wieder kommen!

Jetzt stellt sich für mich nur die Frage: Wollen sie ihrem „Welpen“ Einstein helfen, trotz des DAH (Dümmster anzunehmender Hundeführer) zu einem guten Fährtenhund zu werden, …oder war ich doch noch so gut, dass ein Fünkchen Hoffnung besteht?

 

PS:

Gabi, Frauchen ist begeistert ob Einsteins Frisur. Danke! Jetzt hat sie nur Angst, „Mäuschen-Bübchen“ könne zu dünn sein! Ist er nicht- oder ?

Uwe, bei Fielmann gibt es keine „Winkelbrille“! Vielleicht Apollo-Optik?

Es fällt schwer, eine ereignisreiche und vor allem sehr lernintensive Woche hier darzustellen. Sollte ich einen der Mitwirkenden hier nicht ausreichend würdigen, bitte ich schon jetzt um Entschuldigung.

Unterordnung:

In der Gruppeneinteilung kommen wir in die Gruppe von Ulrike und Walter. In der kurzen Beratung wird sehr schnell klar, die beiden arbeiten und „ticken“ anders.  Als Walter später spontan anfängt Benny zu klickern (ohne Klicker nur mit seinem Lieblingsspielzeug) begreifen wir, dieses Paar weiss, wie man Hunden und deren Menschen etwas mit Freude und Spaß beibringt. Das war „ganz großes Mit-Mach-Kino zum Nachmachen„! Naiv, wie wir waren, beantworteten wir die Frage: Ist Benny eingeklickert? mit ja! Wir Narren! Im Einsatz wurde schnell klar, wir haben Benny den Klicker schon mal gezeigt, aber damit umgehen und den Hund zum aktiven Handeln anzuregen, das sieht  g a n z  a n d e r s   aus. Sie haben eine bestechende Logik in ihrer Herangehensweise, sobald man sich darauf einlässt.

Ulrike: Ich habe, wie versprochen Frauchen geklickert. Es hat, so wie Du schon sagtest, beiden viel gebracht. Frauchen konnte sich in die hündische Perspektive begeben, ich musste die Schritte richtig zerlegen. Der Lohn der Mühe: der avisierte Kuss auf die Wange. (Hätte ich bei Dir auch am Freitag genommen, aber aufgeschoben …)

Walter


Die Übungswoche dauerte 24 Stunden zu kurz! Benny hat heute Dein gestelltes Lernziel erreicht und sich seine neue blaue Beißwurst verdient! ALLES PER KLICKER! Es tat gut zu sehen, mit welchem Engagement Du Dich unseres kleinen „2-Meter-Ego-Schnauzers“ genommen hast, um diesen mit Liebe und Konsequenz in Richtung eines „wohlerzogenen“, mackenfreien Hundes zu bringen. Bei Frauchen halte ich zukünftig etwas mehr dagegen – … wenn ich mich traue!.
 

Videobeweis


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Fährte:

Barbara und Michael standen uns mit Rat und Tat zur Seite! Ihre ruhige Art, gepaart mit einem enormen Fachwissen, machen einem das Lernen in der Fährte leicht und angenehm. Spike hat noch nie im Leben ein „R“ oder Viereck gesucht, Benny noch nie eine Fremdfährte! Mit ihrer Hilfe ging es auch in diesem Bereich ein enormes Stück weiter!

 

Schutzdienst:

Ingo Blome teilt mir mit, dass er nach der Dresdner Trainingswoche sich hier als Ziel gesetzt hat, Spike in den Schutzarm beißen zu lassen. Dieser Optimist! Benny hat er als Herausforderung schon „geknackt“ und ihm seine Scheu vor Fremden abgewöhnt, aber unseren pazifistischen, nicht arbeiten wollenden und triebarmen Spike so weit zu bringen … Ingo, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!

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DANKE INGO, du bist Spitze!

 

 

Chronik