unser Leben mit einem Zwerg- und Riesenschnauzer

02 – Februar 2012

Zu nachtschlafender Zeit machen wir beiden Rudelmachos uns in einem betagten Wohnmobil auf die Reise nach Eisenach. Für die knapp 300 Kilometer benötigen wir reichlich vier Stunden. Spike steht die Reise bemerkenswert gelassen durch. Unmittelbar vor der Wartburgstadt genießen wir die neu erworbene frauchenlose Freiheit. Die Ruhe auf dem weiten Feld ist herrlich! Spike springt über den Acker und freut sich offensichtlich seines Lebens! Nach einer reichlichen Stunde ist Schluss mit lustig – Herrchen drängt zum Aufbruch. Vor dem armen Riesen liegen sechs langweilige Stunden im Wohnmobil – vor mir drei Doppelstunden voller Ungewissheit – wie wird sich der Große mit der Situation abfinden? Kurz nach 18:00 Uhr schließen wir uns im Wohnmobil wieder freudig in die Pfoten! Spaziergänge (zum Fleischer, zum als Fluss bezeichneten Bächlein, zu unserem späteren Ruheplatz) beschließen den, für Spike, langweiligen Tag.

Es ist 6:00 Uhr, wir Rausgeworfenen beginnen den Tag so, wie wir den gestrigen beendeten: Frierend ziehen wir durch Eisenach! Wenn mich jetzt Kollegen so sehen -ungekämmt, durchgefroren, mit typischer Hundemenschenbekleidung- brauche ich heute nicht mehr so lange arbeiten – Stadtstreicher nehmen die nicht!

Ein ausgiebiges Frühstück für Spike, eine Tasse Kaffee und eine Zigarette (mannhaft in der Kälte geraucht) für mich und schon rollt das Mobil in Richtung Arbeitsplatz. Spike in Hörweite philosophiere ich über Bits und Bytes.

Mittags ist Feierabend und somit liegt ein langer Hundenachmittag vor mir. Ein riesiges Feld hat es uns angetan. Ist Eisenach die Kornkammer Thüringens? Bei leichtem Schneefall und einem eisig kalten Wind streifen wir durch das weite Land. Spike hört mustergültig!

Leider sind die Felder schon leicht angetaut. Somit habe ich binnen kürzester Zeit einen neuen Farbschlag von Riesenschnauzer vor mir. Khaki-irden steht in echtem Kontrast zu dem Tiefschwarz, auf welches ich so stolz bin! Jetzt weiß ich nur nicht, wie bekommt man bei Schneeregen einen Riesen trocken, um ihm das Fell bürsten zu können?

(Leider habe ich das Problem nicht lösen können! Dafür hat Frauchen heute zwei Kehrschaufeln voller Acker aus dem Wohnmobil beseitig! Strafe muss sein! )

Der „Männerabend“ ging Spike in der Enge des Raumes ziemlich auf die Nerven.

Wer RiesenJungen kennt, der weiß: Riesen sind alles – nur keine Schmusehunde!

Nach mehrmaliger Flucht aus der Enge, gehen wir zum Abendbrot. Ein Hähnchengrill interessiert beim vorletzten Abendspaziergang sowohl Spike, der seine Mahlzeit schon hinter sich hat, als auch meinen knurrenden Magen. Gemeinsam schlendern wir hin und bestellen so einen Witwe-Bolte-Grund:  „Weil man dann und wann einen Braten essen kann“.

Nachdem sich Spike mehr als die Hälfte desselben einverleibt hat, geht es zum x-ten Male zurück ins Wohnmobil!

Ich bin fertig und um mindestens 2 Kilo abgemagert!

Der Tagesbeginn ist identisch mit dem des Vortages!

Da Herrchen lernfähig ist, spielt er beim Kleidungswechsel von Räuberzivil auf Dozentenoutfit zwischen jedem neuen Teil eine Runde mit Spike!

 

  • Ich im Slipp = Zerrspiel;
  • Hose an = Ball verstecken und finden;
  • mit freiem Oberkörper (bei Minusgraden!) = Armkauen und Zerren;
  • Hemd drüber = Beißwurst!

Somit vergißt Spike sein gestriges anklagendes Winseln beim Anblick eines völlig gewandelten Herrchens! Schweren Herzens lasse ich ihn allein zurück.

Spike, ich muss nur noch schnell über Abfragen, Formulare und Berichte referieren, dann können wir zu Hause um Asyl bitten!

Fünf Stunden später stehen wir wieder vor den Toren Eisenachs auf einem gottverlassenen Acker. Die angestaute Energie will raus – ich will eigentlich nur heim!

Nach ewigen Stunden auf der Autobahn treffen wir zu Hause ein. Frauchen hat sich wohlweislich „aus dem Staub gemacht“ und ist mit dem „Kleinen“ beim Hundesport. Somit bleibt ihr der Anblick eines total geschafften Herrchens erspart. Spike nimmt tollend sein Revier wieder in Besitz, … um mich kurz darauf zu einem erneuten Spaziergang in den „Großen Garten“ zu animieren. JETZT KOMMT ES AUCH  NICHT MEHR DARAUF AN! Nach dieser letzten Kraftanstrengung bin ich eigentlich reif für einen Kuraufenthalt!

Als der „kleine-Rudelrest“ eintrifft, ist das Hallo groß!

Wir haben es geschafft: Bei eisigen Temperaturen auf engstem Raum haben wir eine echt tolle Zeit genossen! Für die Bindung an Herrchen waren diese drei Tage ein echter Gewinn!

Fazit: Und ist die Bockwurst (für drei Tage unsere Hauptverpflegung) noch so klein, nach Stress und Schmutz geht eine noch rein!

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Vor langer Zeit, als Herrchen seinen Kurztripp in den Schuldienst beendete, bekam er von Frauchen die Order: Deine Ausflüge an die Berufsakademie Eisenach kannst Du knicken – zwei Hunde allein betreuen geht nicht in der momentanen (gesundheitlichen) Situation! Oder Du fragst Gabi.

Gesagt, getan … und Gabi -die Satans Meute Oberin- sagte sofort die Betreuung Spikes zu. Am Freitag gab es dazu ein kurzes Telefonat und somit war klar, Spike geht für drei Tage zurück an seinen Stammbaum.

Heute: Ein Blick auf den Stundenplan zeigt, ich werde in Eisenach viel Freizeit haben. Täglich 3 Unterrichtseinheiten á 90 Minuten, lassen viel Raum für Entspannung. Dann der alles entscheidende Satz: Warum nimmst Du nicht Spike im Wohnmobil mit nach Eisenach? Ehrlich, diesen Gedanken hatte ich gestern nach einer guten Flasche Meißner Wein auch, habe mir aber auf die Zunge gebissen! Kann Frauchen Gedanken lesen?

Da die Wohnmobilbatterie nach dem Frost eh keinen Mux mehr von sich gibt, gebe ich großzügig nach und lobe diesen tollen, rudelbildenden Gedanken. Also rein ins Auto und starten: Herrliche Ruhe, der Akku ist leer, wie die Flasche Wein! Etwas Katzenjammer meinerseits, und wie toll es Spike und ich doch in Eisenach hätten und überhaupt,… einfach Schade, dass wir zwei großen Jungs nicht miteinander auf engstem Raum so viel Zeit verbringen können.

Was macht Frauchen? Sie greift zum Telefon und ruft den ADAC an! Das ist sooo unfair! Der freundliche Profi bringt den Motor binnen weniger Sekunden zum Laufen!

Adieu du schöne Schlafenszeit! Danke Gabi und Uwe, dass Ihr den Sturm im Wasserglas so ruhig über Euch ergehen ließt. Ihr seid die einzigen, denen ich meinen Riesen völlig bedenkenlos anvertraue. Danke Betty, für den Telefonnotdienst! Danke ADAC, auf Euch ist eben (leider) immer Verlass!

„Es gibt eine Bescheidenheit, die nur der Mantel des Hochmuths ist.“ – C. Sylva Vom Amboß.

Frauchens neueste Errungenschaft, um die Schnauzerjungen auf Trab zu halten: eine Reizangel.

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Während Benny mit seiner Püppi abgeht, wie Schmidts Katze, versucht Spike über Meditation die Beute zu erhaschen. Seine Maxime scheint zu sein, ich bewege mich nur, wenn es sich wirklich lohnt!

Viel ist über seine Abstammung gerätselt und geschrieben worden.

Die Hauptaufgabe der Hunde dürfte es gewesen sein, den Hof zu bewachen, die Schweine- und Rinderherden im Frühjahr auf die Almen zu treiben und im Herbst und frühen Winter die Wildschweinjagd zu unterstützen. 
Die so beschriebenen Hunde lebten wohl eher isoliert auf den Höfen des Hochlandes und waren damals als „Oberländer“ bekannt.

Also fassen wir zusammen:  Diese Urahnen meines Riesen waren auf Grund widriger Umstände gezwungen, weitgehend für sich selbst zu sorgen.

 


 

Seit Donnerstag ist Spike wieder einmal auf (Reis-) Diät! Nicht das er Gewichtsprobleme hätte, aber sein Stuhlgang ist nicht ganz in Ordnung. Frauchen trichtert mir ein: „Sei ein Mann – werde nicht schwach, wenn er Dich anhimmelt!“ So schwer es fällt, ich halte mich dran. Kein Leckerlie, keine Hundeschokolade, kein Stück von Papas Tellerchen! Spike muss an mir zweifeln! Jeder Blick von ihm ist eine Klage von „Brot für die Welt!“

Heute Mittag: Wie üblich versammelt sich das komplette Rudel zur Mittagszeit in der Küche, um Frauchens Kochkünsten (und Frauchen kann wirklich sehr gut kochen) beizuwohnen. Ich freue mich auf das leckere Schnitzel, die Hunde hoffen, dass etwas vom Tisch fällt. So hat jeder seine Hoffnung (meine wurde erfüllt, die Hunde gingen leer aus).

Nach dem leckeren Essen, räumen wir den Tisch ab. Wer denkt denn mit vollem Magen daran, dass zwei weitere Schnitzel -auf Vorrat gebraten- in der Pfanne auf dem erkalteten Herd stehen? Kein Mensch -aber Spike! Mit der Eleganz eines Riesenschnauzers stellt er sich auf die Hinterpfoten, fischt geschickt mit einem Happs das größere der beiden Schnitzel aus der Pfanne und verschlingt meine Montagsration in unglaublicher Geschwindigkeit!

Ich darf noch einmal zitieren:   „…weitgehend für sich selbst zu sorgen.“ – aber muss das wirklich mit meinem Schnitzel sein?

Und wenn es morgen „nicht Dicke“ kommt, geht es mit der Reis-Diät von vorne los!

Chronik