unser Leben mit einem Zwerg- und Riesenschnauzer

11 – November 2012

Wieder einmal hat Frauchen eine geniale Idee. Wenn sie es schaffen sollte, ihre Arbeit rechtzeitig zu beenden (jawohl, Frauchen geht auch schon mal sonntags in aller Hergottsfrühe in ihre Firma), dann könnten wir doch schnell noch eine Fährte für die Schnauzer legen.

Gesagt, getan. Wir „ganzen Kerle“ bewachten das Haus, kümmerten uns um Augenpflege und inneres Gleichgewicht (ausschlafen ist auch für Schnauzer herrlich), während Frauchen ihren Steuerkrimskrams erledigt. Manchmal ist das Leben eben doch gerecht!

Aber schon gegen 10:00 Uhr war die Ruhe dahin. Frauchens Ordnungssinn ist manchmal anstrengend – für uns!

Im Fährtengelände angekommen wurden zwei Fremdfährten für die Super-Spür-Schnauzer gelegt. Unser Sohn und seine Freundin waren so nett, als völlig unbedarfte Fährtenleger zu fungieren. Sie machten mit Sicherheit alle Fehler, die man dabei machen kann und trotzdem war es genau das, was wir brauchten: Eine einfache Duftspur, die nicht hundgerecht gelegt wurde. Dafür noch einmal Danke an die beiden Nachwuchsfährtenleger.

Spike  suchte auf der Spur des Sohnemannes, dass es eine Freude war, hinter dem Riesen in 10m Entfernung herzulaufen. Trotz (gewünschter) Kreuzung der eigenen Spur hatte der Riese auf dem Acker keinerlei Probleme. Herrchen in heaven – Spike glücklich!

 

Bennys Fährte lag auf einer Wiese. Sandra wollte er nicht wirklich suchen. Nach ca. 30 Schritten gab der Zwerg entnervt auf. Hinken, schnüffeln und Frauchen mit einem erstklassigen Bei-Fuß-Sitz beeindruckend, zeigte der kleine Schnauzer deutlich: Ihr könnt mich mal!

 

Frauchen war kurz davor, ihrem über alles geliebten Zwergschnauzer, die Freundschaft und damit die Verpflegung zu entziehen. Benny stand kurz vor dem Debakel seines Lebens!

 

Ritter „Björn der Aufrechte“ wusste, was „alte Schule“ bedeutet. Kurz entschlossen legte das liebe, gute, fleißige, selbstlose  und herzensgute Herrchen auf dem Feld eine zweite Fährte für Benny. Viele Winkel, mäßig Futter, kaum Gegenstände und ca. 1500 Schritte.

Während der Liegezeit musste Spike die Benny-Gegenstände auflesen. Die Fährte war wirklich saumäßig gelegt (das ist keine Kritik, das wollten wir so, um zu sehen, wie weit die Jungs sind – sonst hätten wir Profis gebeten und keine Erstfährtenleger mit einer 2-Minuten-Einweisung). Spike kreiselte mehrfach, kämpfte sich aber auch in seiner 2. Fährte wunderbar ans Ziel.

Bennys zweiter Anlauf wurde getrübt von Herrchens Unruhe – hatte ich mein Handy mit oder lag es zu Hause? War da vorhin beim Fährtenlegen nicht so ein komisches Gefühl, als ob sich irgend etwas vom Gürtel gelöst hat? Bilde ich mir das nur ein? Wo ist mein Handy?

Frauchen, mit unglaublicher Ruhe, ging erneut hinter ihrem Zwergschnauzer in die Fährte. Hatte sie aufgegeben? Ahnte sie, was gleich geschehen sollte?

Benny musste nur aufpassen, dass er mit der kleinen Schnauze keine Furche in den Acker zieht. Bis auf einen Winkel suchte er quasi auf Schienen. Frauchen musste ihm bei dem einen oder anderen Gegenstand zwar sagen, dass er sich hinzulegen hat, aber wer legt sich schon gern bei gefühlten Minus 10 Grad auf den feuchtkalten Boden? Leider hatte Herrchen kein Handy dabei, sonst wäre Bennys „Knie-Liege-Verweisen“ das Foto des Jahres! Kurz vor dem Ende einer wirklich sehr gut gelaufenen  Fährte, legt sich der kleine Kerl auf einmal hin. Hallo, hier war nun wirklich kein Gegenstand mehr! Der Jackpot kommt in ungefähr 20 Schritten!

Der kleine Mantrailer hat doch tatsächlich Herrchens verlorenes Handy verwiesen! Frauchens triumphaler Blick, als sie das IPhome wie jeden gewöhnlichen Gegenstand empor hält, war allein schon den ganzen Sonntagsstress wert!

Total unterkühlt, aber unendlich glücklich, ließen wir den Sonntag geruhsam ausklingen. Spike mit seinen zwei Fährten war erst am Abend wieder ansprechbar. Benny, der „Ich finde Dein Handy Hund“ war Herrchens ganzer Liebling. Frauchen konnte sich mit der im zweiten Anlauf gezeigten Leistung völlig entspannt zurück lehnen. Ihr Hund hatte Herrchens -selbstverlorenes- Handy gefunden! Benny hier, Benny dort  … Wasser auf Frauchens geschundene Mühlen!

Wenn es Keiner weitersagt: „Auch wenn Du Frauchen an der Nase herum führst: Danke KLEINER! Ohne Dich wäre ich wirklich aufgeschmissen gewesen!“ Spike hat 2x spitzenmäßig gesucht – aber Du – kleiner Mann- hast mir einen Haufen Ärger erspart!

100 Punkte für den Zwegschnauzer und ein riesen Dankeschön an Frauchen- seine Hundeführerin-, die dem besten Suchhund der Welt beibrachte, wie man Herrchens Telefon auf einem unendlich großen Acker wieder findet!

 

Nach zwei missglückten Anläufen ( einmal sagte der Fährtenleger ab, einmal der Prüfer), wollten wir es am Sonnabend wissen!

Frauchen mit Benny wollte die FH1 ablegen, Herrchen mit Spike die FH2.

Spike FH2

Einstein von der Satansmeute ist ein richtiger FÄHRTENHUND!!!

Übersetzt heißt das, er kann jede Fährte zu einem Erlebnis machen. Der Fährte folgen ist ja simpel, also zeige ich dem „Nasenblinden“ da hinten mal, wie ich mir eine Fährte vorstelle: Ich bleibe in der Spur, das ist so einfach, dass ich auch noch nebenbei die gesamte Umgebung beobachten kann! Ab und an soll ja mal Futter in der Originalverpackung vorbeikommen, das werde ich garantiert nicht verpassen! Wenn Du Leinenbeschwerer hinten „alt aussiehst“, kann ich hier vorn glänzen!

Mit Sicherheit war das seit langer Zeit die schwächste Fährtenarbeit, die Spike zeigte. Wir legten vor ca. 2 Wochen eine Fährte mitten durch ein „rehverseuchtes“ Waldstück und er hat beinahe eine Furche mit der Schnauze in den Waldboden gegraben!

Fazit: Spike hat einen Mords-Spaß an der Sucharbeit. Winkel- und Gegenstandsarbeit sind einfach unschlagbar! Auf den langen (oder besser langweiligen) Geraden wirkt er teilweise unkonzentriert bzw. unmotiviert. Wird die Aufgabe anspruchsvoller, sucht er hervorragend!

Seine Lust am Finden der Fährte hat unserem Gespann hier bei der Prüfung wohl „den Hintern gerettet“!

Danke Großer!

Benny FH1

Frauchen wurde von Herrchen überzeugt, die FH1 zu versuchen. Sie schwankte zwischen dieser Prüfung und der Vorstufe – FPR3. Hätte ich mir doch auf die Zunge gebissen!!!

Nach den vorangegangenen Prüfungsausfällen waren wir beide sehr entspannt, hatten wir uns doch schon 2x umsonst aufgeregt und mit Adrenalin vollgepumt. Prüfungssituationen sehen anders aus. Vielleicht hat den Ausschlag gegeben.

Benny  wollte wohl beweisen, dass in seinem Stammbaum auch ein „Schweinehund“ vorkommt: Er ging zügig in die Fährte, um relativ schnell festzustellen, dass es bei Frauchen trockener und nicht so anstrengend ist. Winkel überlief er, um diese dann in großem Bogen wieder zu finden. Gegenstände zeigte er an, in dem er mit diesen (immerhin im Platz) spielte. Ein abseits liegender größerer Stein wurde markiert.

Der Prüfer hatte wirklich eine Engelsgeduld, aber nach 2/3 der Fährte war es auch diesem wohlwollenden Herren zu viel. Abbruch!

Frauchen ist „sauer, wie eine Essigfliege“! Ihr Liebling (nicht Herrchen, sondern Benny) musste die Nacht getrennt von ihr verbringen …das ist die Höchststrafe!

Danke und Fazit

Allen, die sich mit uns für unser Rudel engagiert haben, möchte ich ein herzliches Dankeschön sagen! Namentlich: Katrin (Motte-Mutti), Rita und die SATANS MEUTE Leute: Gabi & Uwe!

Wahrscheinlich ist die Umstellung der Methodik von deduktiv („Ich zeig dir alles, damit du keine Fehler machst!“) auf induktiv („Fehler gehören im bestimmten Umfang zum Lernen dazu!“) für Benny einfach nur zu kurzfristig gewesen. Bei Spike hat es wunderbar funktioniert. Während Spike aus Lust am Fährten sucht, fährtet Benny aus Liebe zu Frauchen. Auch diese unterschiedliche Motivation hat sich in der Prüfungssituation niedergeschlagen. Benny, außer Frauchenkontrolle, hat gemacht was er wollte. Spike ebenso – er wollte Fährten.

 

Wenn man im Team übt und gemeinsam einem Hobby nachgeht, ist es verdammt schwierig sich zu freuen, wenn der Partner Pech hat. Herrchen traut sich nicht, stolz zu jubilieren, was für einen Oberhammer-Suchhund er hat, ist doch jede derartige Äußerung ein kleiner Nadelstich wider Frauchen. Frauchen hat aber einen maßgeblichen Anteil an unserem Erfolg! Sie ist es, die uns immer wieder in die raue Natur schickt, um irgend welche abgestorbene Körperteile in Wald und Flur zu verlieren um danach die Schnauzer auf dieser Duftspur ihr Futter finden zu lassen.

Frauchen, alle 10 Pfoten lieben Dich!

Chronik