unser Leben mit einem Zwerg- und Riesenschnauzer

Schnauzertagebuch 2014

Die gestrige Weihnachtsfeier war unsere letzte Aktion als Vereinsmitglied im Hundesportverein Dresden Weixdorf.
Schon mit dem Eintritt in diesen Hundesportverein (dem wir freundschaftlich verbunden bleiben), hatten wir für uns festgelegt, dass es nur eine kurze Episode sein wird. Aus den ursprünglich geplanten 6 Monaten sind beinahe 6 Jahre geworden.


Wir danken ALLEN, die uns bis hier her auf unserem Weg mehr oder weniger begleitet haben.

Die Gründe unseres Austrittes sind schnell erklärt:
Außer individuell mit Freunden („Motte-Mutti“ & Rita) abgestimmtem Fährtentraining, fand das Fährten nicht statt. Da Spike sich als Pazifist gegen den Schutzdienst entschieden hat und wir die Unterordnung in die Spaziergänge einbauen, ist der zu erwartende Nutzen für uns gering, der Zeitgewinn hingegen enorm. Ohne die Hilfe dieses Hundesportvereines wären wir nie so weit gekommen! Dafür gebührt den Verantwortlichen und Aktiven hier noch einmal unser ausdrücklicher Dank!

Im kommenden Jahr werden Spike und Herrchen erneut die IPO-FH in Angriff nehmen, dann als PSK-Mitglied.

Wie im Titel schon angesprochen, auch der zweite Anlauf „ging in die Hose“. Dabei hatte alles so gut begonnen. Doch der Reihe nach:

Im Internet fand ich vor einer ganzen Weile einen IPO-FH-Prüfungs-Termin beim GHVS Blumberg. Meine Anfrage, ob eine Teilnahme möglich sei, wurde freundlich mit ja beantwortet. Um es vorweg zu nehmen, die Sportfreunde, mit denen ich zwei Tage verbringen durfte, waren „durch die Bank weg“ die Reise in den Berliner Norden wert! Hier noch einmal ein ganz großes Dankeschön für die freundliche Aufnahme in Euren Reihen.

In Vorbereitung und Erwartung der Prüfung fährtete unser Rudel mehrfach relativ regelmäßig in der Dresdner Umgebung. Benny mehr zu seinem Vergnügen und Frauchens moralischer Beruhigung, Spike immer mit der ihm eigenen Freude am Fährte verfolgen. Da Herrchen mit Regeln auf Kriegsfuß steht, lag nicht ein einziges Mal eine klassische Prüfungsfährte. Gesucht wurde, was Herrchen spontan in die Felder und Wiesen latschte. Spitze Winkel, Bögen, sich selbst überlaufende Fährten und ähnliche unmögliche Gebilde. Spike hatte seine helle Freude daran und kam jedes mal an.

Derart gut vorbereitet, durften wir uns am Wochenende vor der Prüfung den „letzten Schliff“ bei den Satans Meute Freunden verpassen lassen. In Priesitz hatten Gabi und Uwe sich sehr viel Mühe gegeben, uns einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen und an den letzten Feinheiten zu feilen. Das von Herrchen angesprochene Problem, dass Spike neuerdings die Gegenstände durch Ignorieren verweist, zeigte sich überhaupt nicht. Spike suchte an beiden Tagen gut, bis sehr gut  …und Uwe hat es dem Riesen wahrlich nicht leicht gemacht! Mit einem Quäntchen Glück sollte Spike eigentlich bestehen, darin waren wir uns einig.

Freitag, 31.10. -Anreise:

Gegen 16:30 Uhr ging die Reise von Dresden los. Mit Wohnwagen und einem guten, wenn auch mulmigen Gefühl machten sich Herrchen und Spike -ja, Frauchen ließ uns allein in die Ferne ziehen- daran, den Olymp des Fährtenhundesportes zu erklimmen. Kurz vor 20:00 Uhr fanden wir bei Ingrid und ihrem Mann vom o.g. Verein unseren Stellplatz.

Spike und Herrchen genossen die Männerrunde auf engstem Wohnwagenraum. Das Spike Frauchens Bett okkupierte, muss Frauchen nicht wissen. Die Pfotenabdrücke sprechen irgend wann eine deutliche Sprache!

 

Sonnabend, 01.11. -1.Prüfung:

Ankunft im Fährtengelände – ein weites Feld mit Ansagt. Die Temperaturen waren unanständig warm, für einen Novembertag (Herrchen lief die Prüfung kurzärmlig). Der Prüfer, Herr Olaf Pritzkow, strahlte Ruhe und Souveränität aus.

Bei der Anmeldung gab es die erste Irritation. Spikes Fährtengeschirr wurde moniert. Das K9-Geschirr hatte einen Haltegriff, was nach Auskunft des Prüfers nicht statthaft sein. (Ich weiß zwar nicht, wo das steht, Fakt ist, dank eines Messers fehlt der Griff seit diesem Tag.)

Fährtenansatz, wie von Gabi und Uwe mehrfach „eingetrichtert“, und der erste Schenkel wurde gut abgesucht. Spike verweist den ersten Gegenstand, nicht ganz gerade aber nur ganz knapp aus der Linie. Den Bogen meistert Spike mit Bravour und verweist auch den zweiten Gegenstand ordentlich. Auf dem anschließenden Schenkel zieht Spike nach rechts heraus. Warum nur? Gut, mit der Führerhilfe kann ich leben – schade nur, dass der Prüfer auch ein erfahrener Fährtenmensch ist und den Ruck mehr als deutlich registriert hat. Kurz vor dem nächsten Winkel geht Spike wieder nach rechts heraus. Ist das schon der Winkel?! Herrchen bleibt vorsichtig stehen! Der Richter lässt uns gewähren – wahrscheinlich so wie ich hoffend, dass Spike die richtige Entscheidung trifft. Den gestreckten rechten Arm im 45°-Winkel ausgestreckt, tapse ich hinter Spike her, als dieser seinen Weg fortsetzt. Voll in den Verleiter hinein gerannt! Sch… ! Ich hätte heulen können!

 

Sonntag, 02.11. -2.Prüfung:

Es geht nur noch darum, mit erhobenem Haupt zu zeigen, dass wir keine fährtentechnischen Hochstapler sind, die sich völlig überschätzt haben. Zumindest eine gute Punktzahl möchte ich abliefern, den Respekt haben die Blumberger Sportfreunde verdient.

Das Gelände ist ähnlich dem Gestrigen, der Prüfer hat gewechselt (Herr Rainer Pietz). Nicht minder sympathisch, aber noch „einen Zacken“ akkurater (Leinenkontrolle, ob die Länge stimmt …aber dafür war es auch eine IPO-FH-Prüfung und kein Kindergeburtstag).

Fährtenansatz wie am Vortag, erster Schenkel mit leichten Gammeleien von Spike und Gegenstand überlaufen. Das kann ja heiter werden! Spitzer Winkel nach links, nahezu wie auf Schienen. Zweiten Gegenstand leicht schräg verwiesen. Spitzen Winkel nach rechts leicht kreiselnd eingesucht. Nach dem rechten Winkel kommt ein längerer Schenkel. Warum in Aller-Herrgotts-Namen zieht Spike nach vielleicht 150 Schritten wieder im spitzen Winkel nach rechts? Hatten wir nicht gerade zwei davon hinter uns?
Die Stimme des Richters reißt Herrchen aus seinen Zweifeln und bestätigt: „Verleiter – Abbruch!“

Zwei mal den gleichen Fehler zu machen, das grenzt schon an Dummheit. Nicht Spikes, sondern meine eigene. Ich habe dieses Element des Verleiters einfach nie ernst genommen.

 

Fazit:

Auf den ersten, oberflächlichen Blick war es ein völlig sinnloses Wochenende!
Mit Abstand betrachtet, haben Spike und Herrchen in der Enge des Wohnwagens eine noch stärkere Bindung aufbauen können. Aus dem Papa-Hund ist ein Superpapa-Riese geworden!
Ich durfte einen Hunde-Sportverein erleben, der richtig aktiv und sympathisch rüber kommt, bei dem man auch als Fremder kein Fremder ist.

 
 

Ich danke allen genannten und ungenannten Helfern, Sportfreunden, Verleitern 😉 , Richtern und Freunden für ihre Unterstützung.

PS: ALLER GUTEN DINGE SIND DREI!

Sonntag, den 24.08.:
Am 1.11. findet eine IPO-FH-Prüfung in Brandenburg statt. Wenn es Dienst, Einsteins Leistung und Herrchens Bequemlichkeit zulassen, wollen wir daran teilnehmen. Also ging es auf einen entfernt liegenden Acker (ca. 50 km vor den Toren Dresdens), um nach einer Odyssee  -Frauchen nannte diese Survivals-Tour in der Nähe von Nossen “eine kleine Gassirunde” mit dem Suchen und Finden zu starten.

Frauchen freute sich über die Suchleistung des Zwerges, Herrchen schwebte dank Spikes Suche im Siebenten Himmel. Harmonisch klang der Abend aus.

Montag:
Frauchen hört frühmorgens auf der Treppe ein Poltern. Alles klar, der Riese ist wieder einmal ungelenk die Holztreppe hinauf oder herabgestürzt. Beim morgendlichen Rudelbegrüßungsritual zieht Spike den rechten Hinterlauf deutlich hoch. So ein Mist aber auch!
Den konsultierten Tierarzt hätte er beinah “gefressen”! Wieder einmal erstaunt die Intelligenz der Hunde. Zweimal hat ihm dieser wirklich kompetente Arzt eine Kralle ohne Betäubung gezogen. Das ist fest eingebrannt in Einsteins Gedächtnis!

Diagnose: Dicke Pfote, wahrscheinlich Mittelzehe, keine Sehnenprobleme, Fraktur unwahrscheinlich.
Therapie: Spritze und Tabletten + “die Zeit heilt alle Wunden”. Spätestens am Freitag sollte der Riese wieder springen und rennen.

Freitag:
Wir gehen früh reklamieren, da Spike nicht einmal ansatzweise daran denkt, die Pfote zu belasten. Wie ein unglückliches Kind hadert er mit seinem Schicksal. Ohne das Erschrecken des Briefträgers, Spielen im Garten, ausgiebige Spaziergänge und Suchspiele in Haus und Garten ist das Leben einfach unerträglich!

Da Frauchen, in ihrer unendlichen Güte, die Hunde mit einem kräftigen Frühstück glücklich gemacht hatte, fiel das notwendige Röntgen aus (nach dem montäglichen Auftritt in der Tierarztpraxis wäre wohl das narkosefreie Röntgen deplatziert gewesen). Neue Spritze, weitere Tabletten und 85 € weniger, waren das ganze Ergebnis der zweiten Untersuchung.

Nachmittags quälten Frauchen Gewissensbisse. Ein Telefonat mit Spikes Züchterin hatte sie endgültig “weich geklopft”. Da es noch eine Tierklinik in Dresden gibt, die wir nicht kennen, machten wir uns zu eben dieser auf den Weg. (Die Hundesportfreunde schwärmen geradezu von dieser Einrichtung.)
Nach einer sich ewig hinziehenden Wartezeit, nahm uns ein freundlicher Arzt unter seine Fittiche.
Röntgen (ohne Narkose und ohne Spikes Einspruch) und die Diagnose: Abszess in der Wade. Selbst das (erfolglose, da nur Blut freisetzende) Punktieren (mit Herrchen und einem zufällig in den Behandlungsraum eintretenden Kollegen des behandelnden Arztes als Ballast über sich) ließ Spike weitgehend unkommentiert über sich ergehen. Dann bekam er einen Verband, der es in sich hatte. Dick, wie eine Keule, nahezu unzerbeißbar und stabil. Damit lief der Riese (zum Ärger von Frauchen nur kleinste Runden) immer besser bis zum gestrigen Sonntag.
Auf Grund starker Durchweichung nahmen wir Spike den Verband am Sonntag Nachmittag ab. Etwas weniger lauffreudig, etwas wehleidiger, aber vierpfotig – so stellt sich das aktuelle Krankheitsbild dar.

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Vorgeschichte:

Ende April waren wir als komplettes Rudel in Priesitz (ja, bei den „Satans Meute“ Freunden, denen wir permanent auf die Nerven gehen), um mit Spike das Radfahren zu üben. 

Bitte, liebe Leser, lächeln Sie gnädig. 

Für Herrchen hieß Radfahren: Drauf auf das Ding, Hund zieht mit ca. Tempo 40 an den langsam fahrenden Autos vorbei und hoffen, dass wir an der Ampel rechtzeitig zum Stehen kommen. Rücktritt und Helm sind was für Warmduscher – Spike hört auf seinen Chef!

Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte Uwe erst mir und damit auch Spike den Unterschied zwischen Sturzfahrt und entspanntem, gemeinsamen Radeln klar gemacht. Ich betone vorbeugend ausdrücklich, dass Uwe ohne Zwang oder Druck gearbeitet hat -noch nicht mal ein Stachelhalsband oder Klapps war dabei! Er beharrte nur mit einer „Arschruhe“ und stoischem Gleichmut auf der Umsetzung seiner Vorstellung! Das war das ganze Geheimnis!

Ein Unfall (nicht mit dem Fahrrad) brachte mich noch am gleichen Wochenende in die Notaufnahme und eine erstklassige Ausrede, um nicht bei Wind und Wetter den Fahrradfahr-Wünschen von Frauchen gefällig sein zu müssen. 

Aber auch die schönste Zeit geht einmal vorbei …

Heute: Einen vorzeitigen Dienstschluss hinter mir und eine Geburtstagsfeier, von deren ersten Teil ich mich schon aus dienstlichen Gründen entschuldigte, vor mir, entschloss ich mich zum Radeln.

Erst eine Gassirunde mit Benny und Spike. Benny wird anschließend unter eifrigstem Protest seinerseits im Hause eingeschlossen. 

Das Rad schiebend, Spike an der kurzen Leine, gehe ich zur angestammten Startposition. Spike scharrt mit den Hufen. Ein freudiges Winseln läßt mich ahnen, dass wird noch einmal eine Lehrstunde für den Riesen, nur diesmal ohne Uwe! Wie war das: Erwünschtes Verhalten – unerwünschtes Verhalten … irgend so etwas hatten die Satans Meute Profis mir immer wieder ins Ohr gepflanzt.

Rauf aufs Rad – Spike bellt wie wild! Absteigen, Hund aus der Situation heraus nehmen, neu ansetzen wenn er bereit ist. Dem ersten Anlauf folgte ein zweiter, dritter … und plötzlich hält der Riese inne, setzt sich ohne Kommando hin und guckt mich an nach dem Motto: Geht klar, wenn Du keinen Spaß haben willst, ich kann auch gemütlich! 

Versuch „römisch Vier“ wird ein voller Erfolg. Als wären wir seit Ende April täglich gefahren, zuckelt der Große im Trab neben mir her. Kein Leinenziehen, kein Versuch sich in die Büsche zu schlagen! Einfach nur ein entspanntes Miteinander.

Wie lange können Hunde einmal Gelerntes wieder abrufen? Das ist für mich zugleich erstaunlich und beunruhigend. Immerhin haben wir wahrscheinlich beiden Schnauzern viel mehr Unarten beigebracht, als wir eigentlich wollten.

Jetzt gilt es nur noch ein Problem zu klären: Wie mache ich Frauchen klar, dass wir jetzt nicht täglich aufs Rad wollen?

Chronik